Bilderbücher und Kindercomics machen Ger?usche, ganz ohne Batterie (Teil 2)

Mit Kindern Bilderbücher zu betrachten ist eine wunderbare Art, deren Kreativit?t und Fantasie zu trainieren. Im 1. Teil dieser Serie wurden Pappbilderbücher für Kleinkinder vorgestellt, mithilfe derer ganz tolle Ger?usche erzeugt werden k?nnen – g?nzlich ohne Batterien, interaktive H?rstifte oder andere elektronische Ger?te. Auch für etwas gr??ere Kinder gibt es sch?ne Bilderbücher, die ?hnliches schaffen und beim aufmerksamen Lesen keineswegs leise bleiben.

Die aktuellen Trends am Kinderbuchmarkt sind – neben den allseits beliebten Soundbüchern – Kinderbücher, die durch interaktive H?rstifte zum Leser sprechen, Kinderbuch-Apps und E-Books, für die Smartphones oder Tablets ben?tigt werden. Der ?Leser“ darf mehr spielen, muss weniger lesen – die Bilder bewegen sich, und T?ne aus Lautsprechern machen alles zus?tzlich lebendig. Dadurch ist aber vieles bereits vorgegeben. Für Eltern, die ihre Kinder besch?ftigen wollen, k?nnen solche Bücher ohne Frage praktisch sein. Die klassische Vorlesesituation jedoch, in der die Bilder durch einen Erwachsenen mit Inhalten gefüllt werden, in der mit Stimmen gespielt wird, passende Ger?usche erzeugt werden, und in der Kinder dazu animiert werden, mitzumachen, kann durch nichts ersetzt werden. Dieser Artikel zeigt einige Bilderbücher, die ausdrucksvolle (Vor-)Leseperformances anleiten k?nnen.

So ein Durcheinander! Was aus einer Menschenmenge herauszuh?ren ist

Sehr viele Sprechblasen mit lautimitierenden W?rtern und Symbolen lassen die bunte Menge im genialen, anarchischen Bilderbuch ?Hier kommt keiner durch!“ (von I. Minhós Martins u. B. P. Carvalho, Klett Kinderbuch, ab 4 J.) lebendig werden. Ein General, der Herr Aufpasser, darf niemanden auf die rechte Buchseite lassen – bis dann ein roter Ball hinüberhüpft und alles ver?ndert: ?Boing! Boing! Boing!“

? Martins/Carvalho: Hier kommt keiner durch! Klett 2016. // Westphal/Langen: Oh Schreck, oh Schreck, der Strom ist weg. Ravensburger 2018.
? Martins/Carvalho: Hier kommt keiner durch! Klett 2016. // Westphal/Langen: Oh Schreck, oh Schreck, der Strom ist weg. Ravensburger 2018.

Dass auch Symbole das Produzieren von Ger?uschen anleiten k?nnen, beweist auch das Bilderbuch ?Oh Schreck, oh Schreck, der Strom ist weg!“ (von C. Westphal u. A. Langen, Ravensburger, ab 3 J.) eindrucksvoll. Wenn in einer Stadt der Strom ausgefallen ist, h?rt man auf der Stra?e n?mlich pl?tzlich ganz andere Dinge …

In einem Wohnhaus kann es ebenfalls turbulent zugehen, vor allem dann, wenn jeder den anderen übert?nen m?chte. ?Das V?glein des Herrn Anderson“ (von J. Obrist, Atlantis, ab 5 J.) bietet neben Unterhaltung auch Wortschatzerweiterung, eine Ansammlung von Begriffen, die mit L?rm zu tun haben. ?Alle saugen, h?mmern, rattern und tr?ten“, ?sie schimpfen und l?stern“, alle machen Krach. Als pl?tzlich ein neuer Mieter mit piepsendem V?glein ins Haus einzieht, sind die polternden Hausbewohner au?er sich – das Gepiepse ist unertr?glich, Herr Anderson muss wieder ausziehen.

? Obrist: Das V?glein des Herrn Anderson. Atlantis 2018. // R?rvik: Die B?ckchen-Bande im Schwimmbad. Klett 2017.
? Obrist: Das V?glein des Herrn Anderson. Atlantis 2018. // R?rvik: Die B?ckchen-Bande im Schwimmbad. Klett 2017.

Schon das Cover der flotten Geschichte über ?Die B?ckchen-Bande im Schwimmbad“ (von B. F. R?rvik, Klett Kinderbuch, ab 3 J.) deutet auf eine weitere laute Geschichte hin. Drei schlagfertige Ziegenb?cken meckern und rufen ?B?h!“, w?hrend sie Angst vorm b?sen Troll haben, der ihnen schlie?lich bis ins Schwimmbad zur Wasserrutsche folgt. Als dieser selbst zu rutschen beginnt, grollt alles rundherum … das h?rt man als Leser auch ohne jeglichen Sound. Als der Troll besiegt ist, und bei der Party alle zufrieden ?b?hen“, legt DJ Muh-Muh auf!

Bilderbücher k?nnen auch ohne Worte auskommen

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Bilderbücher ohne Text gibt es selbstverst?ndlich zur Genüge, etwa die zahlreichen Wimmelbücher, die auf dem Markt angeboten werden und von den meisten Kindern geliebt werden. In ?Der fliegende Hut“ (von R. S. Berner, Aladin, ab 3 J.) hat die berühmte Wimmelbuchillustratorin Rotraut Susanne Berner in ein wimmeliges Bild hineingezoomt, eine leicht zu verfolgende Handlung herausgenommen und diese in ein textloses Bilderbuch verpackt: Im Herbststurm verliert ein Junge seinen Hut, der im Lauf der Jahreszeiten von der Ente zum Hund, dann zu dessen Frauchen und schlie?lich zu einem Affen im Zoo wandert … auf wundersame Weise gelangt der Hut wieder zu seinem ursprünglichen Besitzer zurück. Hier liegt es am ?Leser“, sich die passenden Ger?usche dazuzudenken.

? McLelland: Ich erz?hl dir die Welt. Ars Edition 2018. // Berner: Der fliegende Hut. Aladin 2017.
? McLelland: Ich erz?hl dir die Welt. Ars Edition 2018. // Berner: Der fliegende Hut. Aladin 2017.

Wenige Illustratoren stellen die Wortlosigkeit ihrer Werke explizit in den Vordergrund, ein gutes Beispiel für ein solches Buch ist ?Ich erz?hl dir die Welt. Naturgeschichten ohne Worte“ (von K. McLelland, Ars Edition, ab 3 J.). In den einzelnen Bildern ist es natürlich keineswegs ruhig. Die Vogeljungen zwitschern hungrig im Nest, die Wanderer h?ren die Kuhglocken vermutlich bimmeln, B?ume werden nicht lautlos gef?llt und auch im Regenwald herrscht gesch?ftiges Treiben. Auch das Eintauchen des Pelikans ins Wasser, als er einen Fisch fangen m?chte, geschieht nicht ohne Ger?usch. Am Ende des Buchs finden sich zwar Anregungen, was man zu den verschiedenen Bildwelten erz?hlen kann, doch die T?ne müssen von den Betrachtern immer noch selbst erdacht werden.

Wortlose Kindercomics ohne Worte regen die Fantasie an

Sehr empfehlenswert sind die komplett wortlosen Kindercomics für ganz junge Leser aus der Reihe ?Kleiner Strubbel“ (von C. Fraipont u. P. Bailly, Reprodukt, ab 3 J.). In Frankreich sind die turbulenten Abenteuer des draufg?ngerischen und neugierigen kleinen Strubbel ein Riesenhit, und auch hierzulande gibt es immer mehr begeisterte Eltern und Kinder.

? Fraipont/Bailly: Strubbel. Reprodukt.
? Fraipont/Bailly: Strubbel. Reprodukt.

Die Comics sollen zum selbstst?ndigen ?Lesen“ anregen – zuerst werden sie mit den Eltern gemeinsam betrachtet, und wenn die Kleinen die Geschichten ein paar Mal durchlebt haben, k?nnen sie die Handlung schlie?lich auch selbst nachvollziehen und sich die passenden Ger?usche dazudenken.

? Fraipont/Bailly: Strubbel. Reprodukt.
? Fraipont/Bailly: Strubbel. Reprodukt.

Die Kindercomic-Serie ?Pelle und Bruno“ verzichtet ebenfalls g?nzlich auf Text und funktioniert ?hnlich wie ?Kleiner Strubbel“. Die Handlung von ?Pelle und Bruno: Superflora“ (von Ulf K., Reprodukt, ab 3 J.) ist spannend, dabei aber ganz leicht verst?ndlich gezeichnet: Hund Bruno beobachtet seinen Freund, Kater Pelle, beim G?rtnern. Geduldig s?t Pelle Blumensamen aus, doch Bruno geht das viel zu langsam: Er braut in der Gartenhütte einen Superdünger zusammen. Was dann geschieht, ist ungeheuer spannend – und kommt bestimmt nicht ohne Ger?usche im Kopf aus!

? Ulf K.: Pelle und Bruno Superflora. Reprodukt.
? Ulf K.: Pelle und Bruno Superflora. Reprodukt.
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